Häufige Fragen zum Fachkundigen für Bauschäden und Baufehler
1. Was ist der Unterschied zwischen einem Bauschaden und einem Baufehler?
Bauschaden und Baufehler (häufig auch als Baumangel bezeichnet) unterscheiden sich im Wesentlichen aufgrund der Beziehung zwischen Ursache-Wirkung auf der einen und dem Zeitpunkt des Entstehens auf der anderen Seite.
Ein Baufehler (Baumangel) liegt vor, wenn ein Bauwerk zum Zeitpunkt der Abnahme nicht die vertraglich vereinbarte Qualität aufweist oder gegen anerkannte Regeln der Technik verstößt. Ein Baumangel entsteht während der Planung oder der Bauausführung und wird in Deutschland juristisch meist über § 633 BGB definiert (Abweichung von der vereinbarten Beschaffenheit).
Ein Bauschaden ist demgegenüber die negative Veränderung oder Verschlechterung des Zustands (Funktionsbeeinträchtigung, Substanzverschlechterung), die oft erst zeitverzögert nach Fertigstellung oder während der Nutzung eintritt. Häufig ist sie die direkte Folge eines Baumangels (zum Beispiel feuchtes Mauerwerk durch mangelhafte Abdichtung).
2. Welche Bauschäden treten in der Praxis am häufigsten auf und was sind die Ursachen?
In der Praxis dominieren vor allen Dingen Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung, oft verursacht durch undichte Abdichtungen oder Wärmebrücken. Ebenfalls häufig zu beobachten sind Risse in Fassade oder Estrich sowie Mängel an Flachdächern und Fenstern. Die Ursachen liegen meist in einer fehlerhaften Planung oder mangelhaften Ausführung (zum Beispiel falsches Material, Zeitdruck).
Eine unzureichende Bauüberwachung trägt oft dazu bei, dass Fehler unentdeckt bleiben und sich zu teuren Bauschäden entwickeln – mit den entsprechenden (haftungs-)rechtlichen Konsequenzen.
3. Wie lassen sich Baumängel frühzeitig erkennen?
Mit geübtem Auge lassen sich Baumängel im Rahmen der Bauabnahme häufig anhand sichtbarer Zeichen wie Risse, Verfärbungen, Feuchtigkeitsspuren oder Verformungen erkennen. Dass jedoch viele kritische Fehler nach Bauabschluss praktisch unsichtbar im Mauerwerk oder unter dem Estrich „schlummern“, macht eine zuverlässige baubegleitende Qualitätskontrolle so wichtig.
In dem Zusammenhang sei auf zerstörungsfreie Methoden wie Thermografie oder Feuchtigkeitsmessungen hingewiesen, mit denen sich durch Gutachter fundierte Schadensanalysen erstellen lassen. Diese sind nicht nur für die Sanierung wichtig, sondern dienen auch als rechtliche Absicherung, um Ursachen eindeutig zuzuordnen.
4. Was beinhaltet eine Schadensanalyse am Gebäude?
Eine professionelle Schadensanalyse geht über die reine Bestandsaufnahme hinaus. Sie umfasst Vor-Ort-Untersuchungen und den Einsatz von Messtechnik wie zum Beispiel Endoskopie, um das Ausmaß von verdeckten Schäden zu prüfen. Als Teil der Ursachenermittlung wird geklärt, ob ein Planungsfehler, Materialmangel oder das Ergebnis einer falschen Ausführung vorliegt.
Hinzu kommt das entsprechende Sanierungskonzept, bestehend aus der Empfehlung konkreter Maßnahmen – inklusive einer Kostenschätzung. Das hieraus resultierende Gutachten dient als fundierte Entscheidungsgrundlage für die Instandsetzung und dient gleichzeitig als wichtiges Dokument bei der Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen.
5. Welche Rolle spielt die Bauphysik bei der Schadensanalyse?
Die Kenntnis der Bauphysik ist von entscheidender Bedeutung für die Schadensanalyse. Der Grund ist ganz einfach: Viele Bauschäden entstehen durch bauphysikalische Fehlplanungen, die nicht zuletzt auch dazu führen können, dass eigentlich hochwertige Baustoffe vorzeitig versagen.
Wärmebrücken oder falsche Dampfsperren, aber auch Schallbrücken, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, offenbaren jedes Mal ein mangelndes Verständnis der Zusammenhänge und des Zusammenspiels von (Luft-)Feuchtigkeit, Wärme, Luftdichtigkeit, Materialverhalten und Schall.
Ein diesbezüglicher Klassiker: Eine neue, dichtere Fenstergeneration in einem alten, schlecht gedämmten Haus verbaut, führt, sofern es ohne zusätzliche Anpassungen beim Lüftungskonzept geschieht, fast zwangsläufig zu Schimmelbildung.
In dem Zusammenhang sei zusätzlich angemerkt, dass in der modernen Schadensanalyse oft hygrothermische Simulationen zum Einsatz kommen. Sie erlauben es, Schadensverläufe genau nachzuvollziehen.
6. Welche Normen und Vorschriften sind im Hinblick auf Bauschäden relevant?
Bei der Bewertung von Bauschäden und im Hinblick auf Gewährleistungsfristen, Mängelrechte und die Frage der Haftung spielen technische Regelwerke wie DIN-Normen, Bauvorschriften und darüberhinausgehende anerkannte Regeln der Technik eine entscheidende Rolle. Sie dienen als Grundlage für die Bewertung von Soll- und Ist-Zustand eines Bauwerks. Hier ein kurzer Überblick:
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): Die zentralen Normen sind § 633 BGB (Definition des Sachmangels) und § 634a BGB, der für Bauwerke eine Gewährleistungsfrist von 5 Jahren festlegt.
VOB/B (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil B): Oft in Bauverträgen vereinbart; relevant ist hier besonders § 13 VOB/B, der Mängelansprüche regelt und in der Regel eine gegenüber dem BGB kürzere Verjährungsfrist von 4 Jahren vorsieht.
DIN-Normen konkretisieren, was als fachgerechte Ausführung gilt. Ein Verstoß gegen diese zieht tatsächlich oft Bauschäden nach sich. Nehmen wir das Beispiel Abdichtung: DIN 18533 (erdberührte Bauteile) und DIN 18534 (Innenräume) sind entscheidend zur Vermeidung von Feuchtigkeitsschäden.
Ein anderes, für den Brandschutz wichtiges Beispiel ist die DIN 4102-Reihe. Sie definiert Anforderungen an das Brandverhalten von Baustoffen.
Zu den weiteren öffentlich-rechtlichen Vorschriften, welche zur Gewährleistung der Sicherheit zwingend eingehalten werden müssen, zählen die Landesbauordnungen (LBO) der jeweiligen Bundesländer und das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Letzteres hilft nicht nur beim Energiesparen, sondern adressiert wegen der geforderten Luftdichtheit bei gleichzeitigem Mindestluftwechsel die gebotene Vermeidung von Feuchteschäden.
7. Wie wird man Fachkundiger für Bauschäden und Baufehler?
Der Weg zum Sachverständigen führt in der Regel über eine technische Ausbildung im Bauwesen und spezielle Weiterbildungen im Bereich Schadensanalyse, Bauphysik und Baukonstruktion. Gefragtes praxisnahes Fachwissen vermitteln beispielsweise die unterschiedlichen Seminare, die das HDT anbietet.
Übrigens: Es lohnt sich, auch regelmäßig einen Blick auf die übrigen Fort- und Weiterbildungsangebote von Deutschlands ältestem technischen Weiterbildungsinstitut im Bereich Bau- und Gebäudewirtschaft, Baukonstruktion, Bauprojektmanagement und
Baurecht zu werfen.