Automotive
- Michael Graef
Die erste Langstreckenfahrt von Bertha Benz muss als eine der bedeutendsten Pioniertaten in der Geschichte des Automobils gewertet werden.

Das Thermomanagement ist für die Performance und insbesondere die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Batteriezellen von entscheidender Bedeutung. Hierbei stellt neben der Systemintegration die große Material- und Designvarianz der Batteriezellen eine zentrale Herausforderung dar. Diese verstärkt sich noch mit Blick auf zukünftige Batterietechnologien, wie bspw. Natrium-Ionen-Batterien oder Festkörperbatterien. Das Verständnis des thermischen Batterieverhaltens und die darauf abgestimmte Implementierung des Thermomanagementsystems sind daher Schlüsselkompetenzen beim Design leistungsfähiger, langlebiger und sicherer Batteriesysteme.
Sie erfahren in diesem Seminar etwas über die Themen:
Zum Thema
Interkalationsbatterien wie Lithium- und Natrium-Ionen-Batterien haben sich aufgrund zahlreicher Vorteile als Speichertechnologie für die E-Mobilität etabliert und sind ebenfalls von entscheidender Bedeutung für stationäre Energiespeicher oder Power-Tools. Die Energie- und Leistungsdichte, die Ladezeiten und die Lebensdauer sind für den Anwender zentrale und entscheidende Aspekte für die Alltagstauglichkeit. Die Performance der Batteriesysteme wird hierbei signifikant durch die Temperatur beeinflusst. Temperaturen außerhalb des optimalen Betriebsfensters führen zu Leistungseinbußen und beschleunigen Degradationsprozesse im Zellinneren. Die Folge können eine geringere Lebensdauer des Gesamtsystems oder sogar sicherheitskritische Zustände sein.
Für einen optimalen Betrieb im Zellverbund kommen daher Thermomanagementsysteme zum Einsatz wie beispielsweise in Elektrofahrzeugen und stationären Speichern. Insbesondere für kritische Betriebsszenarien wie die Schnellladung ist eine leistungsstarke Temperierung notwendig. Diese geht aber unvermeidlich mit inhomogenen Temperaturverteilungen einher, sowohl über den Zellverbund bzw. das Pack hinweg als auch innerhalb der einzelnen Batteriezellen. Diese beeinflussen wiederum das lokale elektrische Zellverhalten und können sich dadurch auch potenziell negativ auf die Performance und Alterung der Batteriesysteme auswirken. Infolgedessen entsteht ein komplexes Wechselspiel zwischen dem elektrischen und thermischen Verhalten der Batteriezellen, dem Zellverbundsystem und der äußeren Temperier Applikation. Neben diesen Aspekten müssen die Aspekte Kosteneffizienz, geringer Bauraum und geringes Gewicht beachtet werden, letztere insbesondere in der Elektromobilität.
Die Erfüllung aller dieser Anforderungen stellt eine veritable Herausforderung dar, bietet damit aber auch entscheidende Differenzierungsmöglichkeiten im Wettbewerb. Ein fundiertes Verständnis des Batterieverhaltens und seiner Wechselwirkung mit unterschiedlichen Temperierungsapplikationen ermöglicht optimale Lösungen für das thermische Zell- bzw. Packdesign mit Blick auf Performance, Lebensdauer, Kosten und Systemintegration.
Zielsetzung
Im Seminar lernen die Teilnehmer die Grundlagen des thermischen Verhaltens von Interkalationsbatterien und deren Wechselwirkung mit der Systemebene kennen. Dabei steht das Verständnis der gekoppelten thermisch-elektrischen Vorgänge in der Zelle sowie die Vorstellung etablierter und innovativer Thermomanagementlösungen im Vordergrund. Die erlernten Inhalte, orientiert an etablierten Lösungen und innovativen Ansätzen, verschaffen den Kursteilnehmern eine eigenständige Bewertungsbasis für unterschiedliche Anforderungen zu entwickeln. Vervollständigt wird das Seminar durch die Vorstellung von Werkzeugen zur thermischen Charakterisierung, Modellierung, Auslegung und Optimierung des thermischen Verhaltens von Einzelzellen und Thermomanagementsystemen.
Teilnehmerkreis
Das Seminar richtet sich im Besonderen an Entwickler und Führungskräfte aus den Bereichen Thermomanagement, Zell- und Packdesign, Batteriesysteme sowie Batteriealterung. Der Fokus liegt auf dem Einsatz von Batterien in Elektrofahrzeugen, jedoch sind die Inhalte und Kenntnisse auch auf stationäre Batteriespeicher und Power-Tools übertragbar. Zielbranchen sind vor allem Unternehmen der Automobilindustrie, sowohl OEM als auch Zulieferer, Hersteller und Systemintegratoren stationärer Energiespeicher sowie Hersteller von Power-Tools. Weitergehende theoretische Vorkenntnisse sind nicht notwendig, das Seminar ist auch für einen Einstieg in das thermische Batterieverhalten und Thermomanagementauslegung von Batteriesystemen geeignet.
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Die Temperatur ist in mehrfacher Hinsicht ein essenzieller Faktor. Das gilt zum einen für die Leistung und Effizienz der Batterien im Betrieb. Ebenso wichtig ist sie aber auch für eine lange Lebensdauer. Hier spielt die Temperatur sowohl im Betrieb wie auch während Ruhephasen eine entscheidende Rolle.
Niedrige Temperaturen führen zu einem Leistungsverlust und können zudem Degradationsprozesse begünstigen, welche die Lebensdauer reduzieren. Auch erhöhte Temperaturen rufen verschiedene parasitäre Nebenreaktion und damit Degradationsprozesse in den Batteriezellen hervor.
Lithium-Ionen-Batterien (LIB) sollen nach den Herstellerangaben zumeist in einem Temperaturbereich von ca. -20 °C bis 60 °C betrieben werden. Hierbei können die Grenzbereiche aber bereits mit Leistungseinbußen oder Zellalterung verbunden sein. Ein optimales Betriebsfenster für LIB im Fahrzeugeinsatz liegt für die meisten aktuellen Systeme oft in einem deutlich engeren Temperaturfenster von ca. 20 °C bis 40 °C, welches durch ein Thermomanagementsystem gewährleistet werden kann.
In aktuellen Elektrofahrzeugen kommt ein großes Spektrum verschiedener Temperierungskonzepte zum Einsatz. Das Design hängt dabei stark von der verwendeten Zellgeometrie (Rundzellen, Pouchzellen oder prismatische Zellen) und deren innerem Aufbau ab und wird auf den jeweiligen Fahrzeugtyp und dessen Anforderungen abgestimmt. Ein fundiertes Verständnis des Wechselspiels von äußerer Temperieranbindung und innerem thermischen Verhalten der Batteriezellen ist daher von zentraler Bedeutung für die Auslegung von effizienten Thermomanagementsystemen.
Mobile Geräte müssen typischerweise ohne ein aktives Thermomanagementsystem auskommen. Ein gutes Verständnis der Zusammenhänge zwischen Temperatur, Betriebsverhalten und Lebensdauer ist daher für das Design, wie auch den Einsatz mobiler Geräte mindestens so wichtig wie für Elektrofahrzeuge.
Extreme Kälte oder Hitze verschärfen die ohnehin mit niedrigen oder hohen Temperaturen verbundenen negativen Wirkungen. Ein gut ausgelegtes aktives Thermomanagement ist hier die beste Antwort. Es erlaubt die Aufheizung wie auch Kühlung der Batterie, je nach individueller Situation, um die negativen Auswirkungen zu kompensieren und optimale Betriebsbedingungen bereitzustellen. In Einsatzfällen ohne Thermomanagement sind zumindest klare und durch Tests fundierte Nutzungshinweise notwendig.
Bei der Schnellladung kommt es aufgrund der hohen elektrischen Ströme zu einer hohen Wärmefreisetzung innerhalb der Batterie in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum. Hier ist ein effizientes und leistungsstarkes Thermomanagement, das den mit der Wärmefreisetzung einhergehenden Temperaturanstieg begrenzen muss, von besonderer Bedeutung.
Ein fundiert ausgelegtes Thermomanagement ist Teil der zentralen Sicherheitsstruktur von Batteriesystemen in Elektrofahrzeugen. Neben der Einstellung des optimalen Temperaturbereichs und damit der Vermeidung schädigender Betriebsbedingungen kommt dem Thermomanagement auch eine wichtige Bedeutung bei der Vermeidung und Eindämmung des sog. „Thermal Runaway“ bzw. der sog. „Thermal Propagation“ zu. Hierunter wird das Durchgehen einzelner Zellen beim Überschreiten kritischer Temperaturen und die Ausbreitung dieses Durchgehens auf weitere Zellen im Modul bzw. Batteriepack verstanden. Ein gut ausgelegtes Thermomanagement hilft, diese Zustände zu vermeiden bzw. zu verzögern und damit das Schadenspotential herabzusetzen.
Bei den innovativen Entwicklungen im Bereich des Thermomanagements von Elektrofahrzeugen ist z. B. die Immersionskühlung zu nennen. Bei dieser Technologie werden die Batteriezellen direkt durch ein Fluid umströmt und temperiert. Dadurch können deutlich höhere Wärmeabfuhren sowie eine homogenere Temperatur innerhalb des Batteriepacks aber auch innerhalb der Zellen erzielt werden. Dies ist insbesondere für thermisch kritische Betriebsfälle wie der Schnellladung von Bedeutung.